Soeben haben die Kantone Zürich und Aargau eine Steuerreduktion beschlossen. Bern arbeitet ebenfalls an einer solchen. In der Innerschweiz sind die Steuertarife in den letzten Jahren stark gefallen. Und der Kanton Solothurn?
Auf kantonaler Ebene sind höhere Steuern schon länger im Gespräch – etwas, das bereits an sich für den Kanton negativ ist. Ausserdem budgetieren die meisten Gemeinden Verluste. Zum Teil gar recht erhebliche Verluste. Wo die Steuertarife noch nicht angehoben wurden, bleibt allein die Hoffnung auf kleine (Einnahmen-)Wunder, um vielleicht im nächsten Jahr einer Erhöhung entgehen zu können. Dabei sind die Hauptausgaben kantonal verursacht – sie liegen ausserhalb des Handlungsbereichs der Gemeinden.
Doch statt die explodierenden Sozial- und Gesundheitskosten durch eine grundlegende Neustrukturierung des ganzen Systems möglichst rasch wenn nicht zu senken doch wenigstens stabil zu halten, passiert beim Kanton rein gar nichts. Selbst die immer stärker erkennbare Weigerung des Souveräns, Steuererhöhungen zu akzeptieren, vermag weder Regierung noch Parlament aus dem Tiefschlaf zu wecken. Dabei sind die obgenannten beiden Ausgabenpositionen die am stärksten wachsenden Steuerschlucker.
Der Kanton Solothurn lebt über seine Verhältnisse. Nicht erst seit gestern. Da nützt es auch nichts, dass die Kantonsverwaltung im Vergleich zu anderen Kantonen eher schlank aufgestellt ist. Wenn ich kein Geld habe, mir aber einen Kleinwagen leiste und bei jeder Gelegenheit darauf hinweise, dass die Nachbarn sich Mittelklassewagen halten, dann ändert das nichts an der Tatsache, dass ich über meine Verhältnisse lebe. Entscheidend ist nicht der Vergleich mit den Nachbarn. Entscheidend ist allein, wie viel Geld in meiner Kasse zur Verfügung steht.
Und dass das nicht viel ist, ist nicht gottgegeben. Es ist
auf eine verfehlte Politik zurückzuführen. Denn Solothurn ist nicht a priori
standortbenachteiligt – im Gegenteil. Eine wirtschaftsferne Politik aber, die
an alten Strukturen festhält (Stahl Gerlafingen lässt grüssen), statt neue zu
fördern; eine Regierung und ein Parlament, das regelrechte Kontakthemmungen zur
Wirtschaft hat: Diese Haltung kann nicht in eine erfolgreiche Zukunft führen. Wenn
ich den Erfolg weder beabsichtige noch suche, werde ich ihn auch nirgends
finden.
Die Stadt Solothurn wurde in den letzten Jahrzehnten zu einer Kulturhochburg ausgebaut. Das mag zwar viele Besucher anlocken – aber kein Geld. Es kostet vielmehr Geld – genau das, was weder Stadt noch Kanton haben. Zukunftsoffene Ausbildungsinitiativen dagegen wie der Campus Technik in Grenchen überlässt der Kanton trotz Bildungshoheit privaten Initianten und Geldgebern.
Was wäre, wenn Bundesbern plötzlich aufmucken würde ob des grossen, aber trägen Finanzempfängers, der sich nicht einmal gegen das drohende Prädikat «Klassenletzter» wehrt?